– BERLIN (BIERMANN) – Die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) hat angesichts des dramatischen Anstiegs der Zahl total betrunkener Kinder und Jugendlicher vor "Aktionismus" gewarnt. Sie sei "gegen vorschnelle Verbote, die weder den Jugendlichen noch der Wirtschaft helfen", sagte sie in Berlin. Dies berichtet das Deutsche Ärzteblatt.
Im Gegensatz dazu forderte der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, "endlich wirksame Gegenmaßnahmen" und einen Milliardenbetrag für die Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs. Trotzdem die Zahl der mit Alkoholvergiftungen in Kliniken eingelieferten jungen Menschen seit zehn Jahren steige, gebe es nicht mehr als "schnell verpuffende Appelle zu mehr Prävention", kritisierte Gaßmann.
Die Alkoholwerbung sei seit vielen Jahren europaweit umstritten - gesundheitspolitisch und wirtschaftspolitisch, zitierte das Deutsche Ärzteblatt den Suchtexperten. Wenn "wir dem Einfluss der Alkoholwerbung auf das sehr förderliche Konsumklima begegnen wollen, brauchen wir jedoch Geld", sagte Gaßmann. In Alkoholwerbung werde in Deutschland jährlich eine Milliarde Euro investiert, in Prävention hingegen nur etwas mehr als 30 Millionen Euro, also drei Prozent. Unter diesem Gesichtspunkt sei der Kampf gegen das Saufen völlig aussichtslos, mahnte Gaßmann.
"Wenn wir dem Alkoholmissbrauch durch Prävention wirklich begegnen wollen, brauchen wir auch eine Milliarde Euro, um wie die Alkoholwerbung Tag und Nacht, an jeder Ecke, in jedem Kino und im Fernsehen präsent zu sein", sagte er.
Diese Plakate und Spots "müssen bunt, schnell, jung, humorvoll, attraktiv und sexy sein". Wer diese Prävention einfordere, müsse auch erklären, "wie viel Geld er dafür in die Hand nimmt und woher das kommen soll. Wirksame Prävention gibt es nicht im 1-Euro-Shop", sagte der Experte.
Die Drogenbeauftragte setzt hingegen auf Untersuchungen. Sie wolle beispielsweise die Wirkung der für Kinos bestehenden Regelung auf Jugendliche analysieren lassen, wo Spots zu Alkoholwerbung erst ab 18.00 Uhr auf der Leinwand erscheinen dürfen, sagte Dyckmans. "Zudem helfen mögliche gesetzliche Regelungen wenig, wenn deren Einhaltung nicht effektiv kontrolliert werden kann."
Dyckmans Vorgängerin im Amt der Drogenbeauftragten, Sabine Bätzing (SPD), hatte sich hingegen für Alkoholwerbung im Fernsehen erst nach 20.00 Uhr eingesetzt. Sie begründete ihre bislang nicht von der Politik aufgegriffene Initiative damit, dass Alkoholspots laut Studien zu einem früheren Trinkbeginn verführten und sehr junge Menschen zu verstärktem Alkoholkonsum verleiteten.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 28.12.2009
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