– HAMBURG (dpa) – Jeder dritte Erwachsene erkrankt nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin im Laufe eines Jahres an einer psychischen Störung. Professionelle Hilfe verspricht eine Psychotherapie, doch das Angebot an Therapeuten wird dem Bedarf nicht gerecht.
Deutschlandweit gibt es für 10.000 Einwohner im Schnitt nur vier Psychotherapeuten. Die Städte sind in der Regel besser versorgt als ländliche Gebiete, wie ein Vergleich der 413 Landkreise und kreisfreien Städte zeigt. Nach Auswertung von Daten des Informationsdienstleisters Acxiom für 2008 durch dpa-RegioData hat jeder fünfte Landkreis nur einen Psychotherapeuten je 10.000 Einwohner. Die meisten von ihnen liegen in Ostdeutschland und Bayern, darunter die Landkreise Ludwigslust, Bamberg und Coburg.
Das deutschlandweit größte Therapeutenangebot hat die Universitätsstadt Heidelberg in Baden-Württemberg mit 21 Psychotherapeuten je 10.000 Einwohner. Es folgen die Städte Freiburg (17), Regensburg (14), Bonn und Kassel (jeweils 13). Monatelange Wartezeiten und die dadurch häufig ausbleibende Behandlung sind nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer in Berlin jedoch ein deutschlandweites Problem.
Der Ruf der Psychotherapie in der Gesellschaft habe sich dagegen verbessert. Immer weniger Menschen täten sie als etwas Schräges ab. Dagegen steige die Bereitschaft, sie als wirksame Behandlungsmethode anzuerkennen - insbesondere bei Jüngeren. So erstaunt es nicht, dass sich Psychotherapeuten vermehrt in Städten niederlassen, wo eine vergleichsweise junge Bevölkerung und ein anonymer Lebensstil eine höhere Akzeptanz versprechen.
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