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Immer mehr Jugendliche wegen Koma-Saufens in Klinik

Foto: DAK/Wigger
Foto: DAK/Wigger

11.11.2009 – STUTTGART (dpa/lsw) – Immer mehr Kinder und Jugendliche in Baden- Württemberg kommen wegen Koma-Saufens ins Krankenhaus.

In den Kliniken wurden 2008 insgesamt 4014 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 19 Jahren behandelt, weil sie übermäßig Alkohol getrunken hatten. Das waren 342 oder neun Prozent mehr als 2007, wie das Statistische Landesamt in Stuttgart mitteilte. Damit hat sich die negative Entwicklung der vorangegangenen Jahre fortgesetzt.

Besonders gefährdet sind demnach 16-Jährige. Mit 2434 wurden 2008 weitaus mehr Jungen und männliche Heranwachsende in Kliniken gebracht als Mädchen (1580). Allerdings übertraf die Steigerungsrate der weiblichen Fälle mit 15 Prozent die der männlichen (plus 6 Prozent).

Sozialministerin Monika Stolz (CDU) zeigte sich besorgt über die Entwicklung und will die Vorbeugung weiter vorantreiben. "Oberstes Ziel der Prävention muss sein, den Einstieg in die Sucht zu verhindern."

Im ersten Halbjahr 2009 wurden nach Zahlen der Landes-AOK 984 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahre wegen akuter Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Rund zwei Drittel der Jugendlichen waren Jungen, ein Drittel Mädchen. Die Behandlungskosten betrugen rund 570 000 Euro.

"Entwickeln sich die Zahlen weiter so rasant wie bisher, ist absehbar, dass es auch 2009 zu einer Steigerung der Behandlungszahlen kommen wird", sagte der Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, Rolf Hoberg. Seit dem Jahr 2003 seien die stationären Behandlungskosten von 550 000 Euro auf rund 964 000 Euro im Jahr 2008 gestiegen.

"Mit den aktuellen Zahlen befinden wir uns auf einem völlig neuen Level. Die Behandlungskosten des gesamten Jahres 2003 haben wir bereits im ersten Halbjahr 2009 überschritten. Diese alarmierende Entwicklung muss dringend gestoppt werden", betonte Hoberg.

Als ersten Schritt in die richtige Richtung begrüßte er das neue Gesetz, nach dem von 22.00 Uhr bis 05.00 Uhr an Tankstellen, Kiosken oder Supermärkten kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Dies könne jedoch nur ein Signal sein. Um wirklich sinnvolle Maßnahmen ergreifen zu können, sei es notwendig, mehr Ursachenforschung zu betreiben, warum Jugendliche so ungehemmt zur Flasche greifen.

Nach Angaben von Stolz müssten Kinder und Jugendliche stark gemacht werden gegen Gruppenzwang. "Dazu ist es erforderlich, dass wir gemeinsam gegen Alkoholmissbrauch vorgehen. Wir müssen informieren und aufklären. Vielen Jugendlichen ist nicht bewusst, welche Auswirkungen Alkohol haben kann." Viel zu oft würden Erwachsene aus falsch verstandener Liberalität Jugendlichen den Zugang zum Alkohol ermöglichen.

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