– BONN (dpa) – Bekannt wurde er in Deutschland Ende der 1960er Jahre unter dem Pseudonym "Georg W. Alsheimer" mit seinem Buch "Vietnamesische Lehrjahre": Der deutsche Psychiater Erich Wulff, einer der Mitbegründer der deutschen Psychiatrie-Reform in den 1970er und 1980er Jahren. Am Sonntag starb er in Paris, wie der Psychiatrie- Verlag in Bonn am Dienstag mitteilte.
Wulff, geboren am 6. November 1926 im estländischen Tallinn, öffnete als erster Psychiater in leitender Position die Türen der geschlossenen Abteilungen. Er pflegte Kontakte zu internationalen Psychiatern. In Deutschland engagierte er sich auch in der Friedensbewegung und gegen den Vietnam-Krieg.
1974 wurde Wulff auf die geschaffene Professur für Sozialpsychiatrie an der Medizinischen Hochschule Hannover berufen. Von 1968 bis 1974 arbeitete er als Oberarzt der Psychiatrie-Klinik am Universitätsklinikum Gießen, wo er 1969 habilitierte. Davor hatte er einen Lehrauftrag an der medizinischen Fakultät einer Universität in Vietnam inne.
Nach dem 2. Weltkrieg hatte Wulff zunächst Medizin und Philosophie an der Universität Köln studiert. Seine Ausbildung zum Psychiater machte er an den Hochschulen in Marburg und Freiburg. 1994 wurde Wulff emeritiert, 2003 zog er mit seiner Frau nach Frankreich.
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