– KONSTANZ (BIERMANN) – Drei junge Wissenschaftler haben den diesjährigen Stiftung-Schmieder-Preis erhalten, der herausragende Forschung auf dem Gebiet der Neurologischen Rehabilitation fördert.
Dr. Ralf Schmälzle erhält den Preis für eine psychologische Dissertation zum Thema "Intuitive Risk Perception - A Neuroscientific Approach". Die Arbeit erörtert den intuitiven und affektiven Anteil der Wahrnehmung von gesundheitlichen Risiken - im Unterschied zur bisher dominierenden Forschung, bei der das Interesse vorrangig dem kognitiven Aspekt der Risikowahrnehmung galt. In der Neurologischen Rehabilitation spielt die Risikowahrnehmung vor allem bei der Sekundärprävention eine zentrale Rolle. Die Jury des Stiftung-Schmieder-Preises urteilt: "Mit seiner Arbeit trägt Herr Dr. Schmälzle wesentlich zum tieferen Verständnis der intuitiven Prozesse bei der Risikowahrnehmung bei und wird helfen, die Konzepte für eine Verbesserung der Sekundärprävention zu optimieren."
Dr. Winfried Schlee wird der Stiftung-Schmieder-Preis 2009 für eine Dissertation zur Tinnitus-Forschung verliehen: "Towards a Global Model of Tinnitus Perception: Multiple Evidence for a Long-Range Cortical Tinnitus Network". Die Arbeit weist nach, dass dem Tinnitus Aktivitäten in einem komplexen kortikalen Netzwerk zugrunde liegen. Ganz neu ist dabei die Erkenntnis, dass sich die Aktivierungsmuster in diesem Netzwerk im Lauf der Zeit verändern. So erklärt sich, dass bestimmte Therapiemethoden ihre Wirksamkeit bei länger bestehendem Tinnitus verlieren. Auch in der Neurologischen Rehabilitation ist dieses Phänomen bekannt. Aufbauend auf den Erkenntnissen, die Schlee über die Netzwerkstruktur und deren Veränderungen beim Tinnitus gewonnen hat, lassen sich neue Ansätze für die Tinnitus-Behandlung entwickeln. Gleichzeitig gibt die Arbeit Impulse für die Verbesserung der Therapie in anderen Bereichen der Neurologischen Rehabilitation.
Die dritte prämierte Arbeit stammt aus der Sportwissenschaft. Michael Sulzmann hat in seiner Masterarbeit "Erweiterung der Gehstrecke durch gezieltes Ausdauertraining bei Patienten mit Fatigue und Multipler Sklerose" ein zentrales Problem der Rehabilitation von Patienten mit Multipler Sklerose aufgegriffen: die motorische Fatigue, d.h. die vorschnelle Ermüdbarkeit. Viele von MS Betroffene sind bereits nach einer Gehstrecke von wenigen hundert Metern erschöpft und müssen eine längere Pause einlegen. Sulzmann hat ein spezifisches Ausdauertraining für diese Patienten entworfen, mit dem sich die maximale Gehstrecke der beteiligten Patienten in nur zwei Wochen um durchschnittlich 60 Prozent steigern ließ. Die Arbeit liefert einen fundierten und praktischen Beitrag zur Erweiterung des therapeutischen Angebots.
Schlee und Schmälzle erhalten für ihre Dissertationen ein Preisgeld von jeweils 2500 Euro, der Sportwissenschaftler Sulzmann erhält für seine Masterarbeit 500 Euro.
Die gemeinnützige Stiftung Schmieder für Wissenschaft und Forschung prämiert ausgewählte wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit Fragen der Neurologischen Rehabilitation beschäftigen. Seit 2006 wird der Stiftung-Schmieder-Preis vergeben. Dr. Dagmar Schmieder, Stiftungsvorstand und Geschäftsführerin der Kliniken Schmieder, erklärt: "Neurologische Rehabilitation wird im Zuge des gesellschaftlichen Wandels immer wichtiger. Der Preis soll dazu beitragen, begabte junge Wissenschaft-ler für dieses vielfältige Arbeitsgebiet zu begeistern."
Quelle: Lurija Institut
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