– STUTTGART (BIERMANN) – Die Zahl der Kinder in stationärer, psychiatrischer Behandlung ist 2008 in Baden-Württemberg um rund drei Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden insgesamt 4435 Krankenhausaufenthalte registriert, das sind 142 mehr Patienten als zuvor, teilte das Statistischen Landesamts am Freitag mit. Dabei wurden die jungen Patienten durchschnittlich etwa 40 Tage im Fachbereich Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt.
Ein wesentlicher Grund für die vollstationären Behandlungen waren Verhaltens- und Emotionsstörungen (28 Prozent der Fälle). Bei weiteren 25 Prozent der Erkrankungen handelte es sich um neurotische Störungen oder körperliche Beschwerden. Vergleichsweise gering war mit neun Prozent der Anteil junger Menschen, bei deren Erkrankungen Alkohol oder Drogen eine Rolle spielten.
Die Zahl der Krankenhausaufenthalte betroffener Kinder nimmt seit Mitte der 1990er Jahre um jährlich 440 Fälle stetig zu. Einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse zufolge (wir berichteten) sind die Zustände im Land deutlich dramatischer als im Bundesdurchschnitt. Etwa 17 Prozent der Eltern beobachteten bei ihren Kindern massive Stimmungsschwankungen. Bundesweit hatten nur zehn Prozent diesen Eindruck.
Im etwa gleichen Verhältnis stellten Eltern im Land und deutschlandweit fest, dass ihre Kinder dem Druck von Statussymbolen erliegen. Von insgesamt 1000 Eltern wurden 147 in Baden-Württemberg befragt. Die Umfrage ergab zudem, dass Ausgrenzung und Mobbing im Schulalltag zunehmend das Leben vieler Kinder bestimmt: Bundesweit sahen zwölf Prozent der Eltern ihre Kinder als Opfer psychischer Gewalt, in Baden-Württemberg waren es 15 Prozent.
Um auf die traurigen Entwicklungen ausreichend vorbereitet zu sein, wurde die Bettenkapazität in den Kliniken mit der Zeit entsprechend erhöht. Bereits 2008 hatte die Landesregierung beschlossen, den Bettenbestand bis 2010 um 165 auf 823 Plätze landesweit auszubauen. «Eine erneute Prüfung der Bedarfsgrundlage ist für die Zeit ab 2011 vorgesehen», sagt die baden-württembergische Sozialministerin Monika Stolz (CDU) am Freitag. (dpa/lsw)
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