– LONDON (BIERMANN) – Fernbehandlungen, die auf E-Mail, Textnachrichten oder online gesteuerten kognitiven Verhaltenstherapien basieren, könnten die Genesungsraten von Patienten mit Essstörungen verbessern. Dies geht aus einem Artikel in der Online-Ausgabe des Lancet hervor.
Darin stellen die Autoren fest: "Die diagnostischen Kriterien [für Essstörungen; Anm. d. R.] befinden sich in einem Prozess der Überprüfung, die möglichen vier neuen Kategorien wären somit: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Heißhungeressattacken und nicht näher bezeichnete Essstörungen. Diese Kategorien werden auch breiter ausgelegt sein, als es bislang der Fall war, und das wird die Häufigkeit in der Population beeinflussen. Die aktuelle Häufigkeit aller Essstörungen liegt bei etwa fünf Prozent."
Praxisempfehlungen betonen die Wichtigkeit spezialisierter Hilfen zur Behandlung von Essstörungen, allerdings steht derartige Fürsorge häufig nicht zur Verfügung. Daher hatten die Autoren der Studie neue Formen der Zuführung von Hilfsmaßnahmen untersucht (beispielsweise per E-Mail, Textnachrichten), wobei die Behandlungen per Handy, Internet oder Telemedizin (z.B. kognitive Verhaltenstherapie seitens eines Therapeuten per Internet) gesteuert werden.
Eine systematische Überprüfung von Selbsthilfemaßnahmen (per Computer oder Handbüchern) kam zur Schlussfolgerung, dass diese Maßnahmen unter professioneller Aufsicht (angeleitete Selbsthilfe) bei Bulimie und Heißhungerattacken einen Nutzen bringen könnten, obwohl bislang noch Unklarheiten bestehen.
Bei Magersucht zählen die familiäre/individuelle Beratung mit zusätzlicher Ernährungstherapie, die auf allmähliche Gewichtszunahme abzielt, zu den Grundpfeilern der Behandlung. Bulimie und Heißhungeressstörungen sprechen auf Behandlungen wie kognitive Verhaltenstherapie, Psychotherapie und in einigen Fällen auf Antidepressiva oder Antiadiposita wie Orlistat an. Eine Genesung von der Magersucht wird umso unwahrscheinlicher, je länger die Erkrankung bereits andauerte. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zur Bulimie, dort wird die Heilung umso wahrscheinlicher, je länger die Erkrankung andauerte.
Die Autoren bemerken: "Die diagnostischen Kriterien für Magersucht und Bulimie unterliegen einer Neubewertung und könnten ausgeweitet werden, was den Personenkreis, der in die Kategorie nicht anderweitig näher beschriebener Essstörungen fällt, verringern würde. Heißhungerattacken werden womöglich als weitere zusätzliche Form der Essstörungen akzeptiert werden."
Die Forscher folgern: "Insgesamt betrachtet, sind Fortschritte in der Behandlung von Erwachsenen bislang eher selten, abgesehen vom Interesse an neuen Formen der Zuführung von Therapiemaßnahmen."
Quelle: Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61748-7
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